HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Yara und die Schnecke am Zaun
Ein Haus auf dem Rücken
Yara fand die Schnecke zwischen dem Zaun und dem Gartenweg. Ihr Haus war braun und hatte eine feine Spirale. Die Schnecke streckte die Fühler aus und zog sie wieder ein, als Yaras Schatten darüberfiel. Yara setzte sich einen Schritt zurück. Nun kam die Schnecke langsam wieder hervor.
„Wo willst du hin?“, fragte Yara. Die Schnecke antwortete nicht. Sie glitt ein kleines Stück in Richtung Beet. Zwischen ihr und den Blättern lag jedoch ein breiter, trockener Streifen Erde. Yara wollte sie hinübertragen. Ihre große Schwester Mina kam mit der Gießkanne vorbei und fragte: „Wissen wir, ob sie angefasst werden möchte?“ Yara nahm die Hand zurück.
Ein Weg aus Schatten
Sie sahen sich den Boden an. Direkt am Zaun war er noch feucht, weil dort morgens Schatten lag. Weiter vorn schien die Sonne kräftig auf die Erde. Yara stellte einen Blumentopf so, dass sein Schatten ein kleines Stück des trockenen Streifens bedeckte. Mina goss nicht auf die Schnecke. Sie befeuchtete nur etwas Erde neben dem Weg.
Dann warteten beide. Yara zählte nicht die Minuten, sondern die Ameisen, die am Zaun entlangliefen. Eine, zwei, drei. Die Schnecke machte erst gar nichts. Schließlich streckte sie ihre Fühler zum schattigen Fleck. „Sie entscheidet selbst“, flüsterte Mina. Yara fand das Warten schwer, aber sie blieb sitzen.
Eine andere Richtung
Die Schnecke glitt nicht geradeaus zum Beet. Sie bog am Topf vorbei und folgte einer schmalen Kante aus Moos. Yara runzelte die Stirn. Dafür hatten sie den Schatten doch gar nicht gemacht. Mina zeigte auf die Blätter an der anderen Seite des Zauns. Vielleicht hatte die Schnecke dort etwas Interessanteres gefunden. Sie konnten es nicht wissen.
Yara rückte den Topf wieder ein Stück zur Seite, damit niemand darüber stolperte. Den feuchten Fleck ließ sie. Die Schnecke verschwand unter einem breiten Blatt. Nur die Spitze ihres Hauses war noch zu sehen. Yara zeichnete die Spirale mit dem Finger in die Luft, ohne die Schnecke zu stören.
Noch einmal nachsehen
Am nächsten Morgen ging Yara zum Zaun. Der Topf stand wieder an seinem Platz, und das Moos fühlte sich kühl an. Die Schnecke war nicht zu sehen. Yara suchte unter dem Blatt, aber sie hob es nicht an. „Vielleicht ist sie längst weiter“, sagte Mina. Das war keine schlechte Nachricht. Eine Schnecke durfte unterwegs sein.
Yara malte in ihr Naturheft ein braunes Haus mit einer Spirale, daneben den Zaun und das Moos. Unter das Bild schrieb Mina für sie: Wir haben zugeschaut. Yara fügte einen zweiten Satz hinzu: Den Weg hat die Schnecke selbst gewählt. Dann setzte sie sich in den Schatten und sah, was heute am Zaun vorbeikam.
