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Vera und der Weg des Regenwassers
Eine Pfütze am Eingang
Nach einem kurzen Regenschauer stand vor Veras Haustür eine Pfütze. Sie war so breit, dass Oma mit dem Einkaufskorb nicht gut an die Klingel kam. Vera sah nach oben: Vom Dach tropfte Wasser, aber nicht aus dem Ende der Regenrinne. Stattdessen lief es an einer Ecke über den Rand. Vera zeigte Oma die Stelle. Beide gingen auf dem trockeneren Weg zur Haustür.
Drinnen holten sie die Hausmeisterin. Vera wollte gern selbst auf die Leiter steigen, um nachzusehen. Die Hausmeisterin schüttelte den Kopf. „Oben arbeite ich. Du kannst mir von unten zeigen, wo das Wasser herunterkam.“ Vera zog ihre Regenjacke wieder an und führte sie zur Ecke. Dort war der Boden noch immer nass.
Der Weg von oben nach unten
Die Hausmeisterin stellte die Leiter sicher auf und sah von oben in die Rinne. In einem Laubkorb vor dem Fallrohr lagen viele nasse Blätter. Das Wasser konnte nicht gut weiterfließen. Vera beobachtete von einem sicheren Abstand aus, wie die Hausmeisterin die Blätter in einen Eimer legte. „Nicht die ganze Rinne war kaputt“, sagte Vera. „Der Weg war an einer Stelle zu.“
Oma brachte ein Stück Kreide. Vera zeichnete auf dem Pflaster einen Pfeil vom Dach zur Rinne, von dort zum Rohr und schließlich zum Ablauf im Boden. Sie zeichnete nur dort, wo der Weg trocken genug war. Die Hausmeisterin prüfte noch die Verbindung des Rohrs. Es saß fest. Vera wusste nun, dass ihre Pfeile nicht nur ein Bild waren, sondern eine Frage: Wo sollte das Wasser eigentlich lang?
Noch ein Schauer
Am Nachmittag regnete es erneut. Vera blieb mit Oma unter dem Vordach und schaute zu. Das Wasser lief jetzt durch die Rinne und das Rohr. Vor der Tür entstand nur ein schmaler feuchter Streifen. Die alte Pfütze wurde nicht sofort kleiner; sie brauchte Zeit, um abzufließen. Vera war erst enttäuscht, bis Oma auf die trockene Klingel zeigte.
Die Hausmeisterin kam noch einmal vorbei. Vera erklärte ihr den Unterschied zwischen altem Wasser auf dem Boden und neuem Wasser vom Dach. „Genau“, sagte die Frau. „Darum schauen wir bei der nächsten Regenrunde noch einmal.“ Vera wischte ihre nasse Kreidezeichnung nicht weg. Der Regen tat das für sie, langsam und ohne Eile.
Ein Platz für Blätter
Am Abend war der Weg vor der Haustür wieder frei. Vera ging mit Oma zum Einkaufsladen. Unterwegs sah sie an einem anderen Haus eine Regenrinne und folgte ihr mit den Augen. Sie wusste nicht, ob sie dort gut funktionierte. Dazu hätte sie den Wasserweg bei Regen sehen müssen. Oma fand es gut, dass Vera nicht einfach riet.
Zu Hause malte Vera den Wasserweg noch einmal auf Papier. Den Laubkorb zeichnete sie als kleines Sieb. „Blätter gehören nicht ins Rohr“, schrieb Oma daneben. Vera setzte einen zweiten Satz darunter: Für hohe Stellen holen wir Erwachsene. Dann hängten sie das Bild an die Innenseite der Wohnungstür, damit sie beim nächsten Schauer daran denken konnten.
