HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Theo und die Blase, die nicht gewinnen musste
Die größte von allen
Theo stand mit einem Becher Seifenlauge im Hof. Seine Cousine Jule machte eine Blase, fast so groß wie eine Orange. Theo wollte eine noch größere schaffen. Er pustete fest. Viele winzige Blasen flogen heraus und platzten gleich. „Zu klein“, sagte er und tauchte den Ring noch einmal ein.
Jule zeigte auf eine der kleinen Blasen. Sie schwebte bis zur Mauer und spiegelte ein rotes Fenster. Theo sah nur kurz hin. Dann pustete er wieder so kräftig, dass Lauge vom Ring tropfte. Der Becher wurde leerer, und keine große Blase entstand. Er setzte sich auf die Bank. „Ich kann das nicht.“
Langsam pusten
Jule setzte sich neben ihn. Sie hielten beide den Ring still und beobachteten den dünnen Film darin. Wenn Theo ganz langsam Luft dagegen schickte, wuchs eine Blase. Er wollte noch stärker pusten, doch Jule schüttelte den Kopf. „Probier einmal, sie selbst loszulassen.“ Theo bewegte den Ring sacht zur Seite. Eine mittelgroße Blase löste sich.
Sie flog nicht weit. Dafür blieb sie einen Moment vor Theos Nase stehen. Auf ihrer Oberfläche lag ein kleines Stück Himmel, dann ein grünes Blatt. Theo drehte den Kopf und sah, wie die Farben mitwanderten. „Da passt ja ein ganzer Hof hinein“, sagte er. Jule hielt ihren Ring daneben.
Verschiedene Wege
Nun machten sie absichtlich kleine und große Blasen. Die winzigen stiegen schnell auf. Eine große sank erst ab und wurde dann vom Wind angehoben. Theo rannte nicht hinterher, denn auf dem Pflaster lag Wasser. Er blieb stehen und zählte, welche Blasen am längsten zu sehen waren. Nicht immer war es die größte.
Ein Nachbarskind kam dazu und fragte, wer gewonnen habe. Theo überlegte. Wenn es um Größe ging, Jule. Wenn es um die weiteste Reise ging, vielleicht eine ganz kleine Blase. „Wir haben verschiedene Dinge entdeckt“, sagte er. Das Kind suchte sich eine Blase aus, die einen gelben Punkt vom Sonnenschirm spiegelte.
Ein letzter Ring
Im Becher war nur noch genug Lauge für einen Versuch. Theo gab Jule den Ring. Sie reichte ihn zurück. „Gemeinsam?“ Theo hielt den Becher, Jule tauchte den Ring ein, und Theo pustete ganz sanft. Drei Blasen lösten sich: eine große und zwei kleine. Für einen Augenblick schwebten sie nebeneinander.
Dann platzte die große. Die beiden kleinen flogen über die Mauer. Theo konnte nicht sehen, wie weit. Das störte ihn nicht. Er wusch sich die klebrigen Hände, stellte den Becher zum Trocknen und zeichnete später drei runde Kreise in sein Heft. Den größten malte er zuerst. Daneben ließ er Platz für alle anderen.
