HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Tessa und das Muster aus Knöpfen
Die Dose im Schrank
Opa stellte eine alte Knopfdose auf den Tisch. Sie klapperte, als er den Deckel öffnete. Darin lagen große Jackenknöpfe, kleine Hemdknöpfe und einer in Form einer Blume. Tessa durfte die Knöpfe auf einem Tablett ausbreiten. Sie sollten nicht auf den Boden fallen, weil ein kleines Geschwisterkind im Haus war. Tessa legte die roten links, die blauen rechts und die gelben in die Mitte. Opa fragte, ob sie ein Muster ausprobieren wolle. Tessa begann mit rot, blau, gelb.
Sie wiederholte die Folge noch einmal. Rot, blau, gelb. Beim dritten Mal fand sie einen roten und einen blauen, aber keinen gelben Knopf mehr. „Jetzt ist es kaputt“, sagte sie. Opa sah auf die Reihe und dann in die Dose. Dort lagen noch weiße und braune Knöpfe, doch keiner in Gelb. Tessa wollte das Muster nicht wegschieben. Sie betrachtete die Stelle, an der der dritte gelbe Knopf fehlen würde.
Eine sichtbare Lücke
Opa schlug vor, einen weißen Knopf zu nehmen und ihn gelb anzumalen. Tessa fand den Vorschlag nett, aber sie wollte die alten Knöpfe nicht verändern. Vielleicht gehörten sie einmal an besondere Jacken. Sie legte nach dem dritten blauen Knopf einen kleinen freien Platz und danach wieder einen roten. So sah man, wo Gelb hingehört hätte. „Die Lücke ist wie eine Pause“, sagte sie. Opa nickte und klopfte den Rhythmus leise auf den Tisch: rot, blau, gelb, rot, blau, gelb, rot, blau, Pause.
Tessa probierte noch ein zweites Muster. Große Knöpfe sollten außen liegen, kleine innen. Der Blumenknopf kam in die Mitte. Diesmal gab es genug verschiedene Farben, aber die Formen wiederholten sich nicht genau. Das störte sie weniger als gedacht. Sie schob einen kleinen blauen Knopf näher an die Blume und fand, dass der Kreis nun freundlich aussah. Opa fotografierte beide Muster, bevor Tessa sie wieder verändern konnte.
Ein Bild zum Anfassen
Tessa wollte ein Muster für ihre Freundin Liv machen, die morgen zu Besuch kommen würde. Liv mochte Dinge, die man mit den Fingern fühlen konnte. Tessa legte glatte Knöpfe auf die linke Seite und solche mit Rillen auf die rechte. Sie schloss die Augen und tastete vorsichtig über den Rand jedes Knopfes, während Opa aufpasste, dass nichts vom Tablett rutschte. Mit geschlossenen Augen konnte sie die Farben nicht erkennen, aber die Formen sehr wohl.
Als sie die Augen öffnete, war das Muster schief geraten. Ein Knopf lag mit der Unterseite nach oben. Tessa drehte ihn nicht sofort um. Dort war eine kleine Vertiefung, die sich anders anfühlte als alle anderen. Sie setzte ihn an den Anfang der Reihe. So konnte Liv morgen wissen, wo das Muster begann. Opa holte ein flaches Kästchen mit Deckel. Darin konnten die Knöpfe bis morgen liegen bleiben, ohne lose auf dem Tisch zu sein.
Livs Idee
Am nächsten Tag kam Liv. Tessa zeigte ihr erst das Foto mit der Farbreihe und der gelben Lücke. Liv tippte auf den freien Platz. „Da kann ich mir einen Knopf vorstellen“, sagte sie. Dann öffneten sie gemeinsam das flache Kästchen. Tessa erklärte den Anfangsknopf mit der Vertiefung. Liv schloss die Augen und fand ihn sofort. Langsam ging sie die Reihe entlang und benannte glatte und gerillte Ränder.
Danach durfte Liv ein eigenes Muster legen. Sie nahm den Blumenknopf als Ende und den weißen als Anfang. In der Mitte ließ sie zwei Plätze frei. Tessa fragte nicht, welche Farbe dort fehle. „Das sind Türen“, sagte Liv. Opa brachte Papier, und die beiden zeichneten Häuser um ihre Knopfreihen. Als sie fertig waren, kamen die Knöpfe zurück in die Dose. Die Fotos und die Zeichnungen blieben. Tessa wusste nun, dass man aus alten Dingen viele Bilder legen konnte, auch ohne einen einzigen Knopf festzukleben.
