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Tavi und der Garten im Schuhkarton
Ein Gartenwunsch
Tavi wollte einen Garten wie den von Tante Esra. Dort wuchsen Bohnen an Stangen und Erdbeeren unter den Blättern. Zu Hause gab es nur einen schmalen Balkon. Zwischen dem Stuhl und der Gießkanne war gerade Platz für eine kleine Kiste. „Für einen Garten ist das zu wenig“, sagte Tavi. Mama hob einen leeren Schuhkarton vom Schrank.
„Vielleicht passt ein Anfang hinein“, schlug sie vor. Tavi war unsicher. Der Karton sah überhaupt nicht nach Garten aus. Gemeinsam stellten sie ihn in eine flache wasserdichte Schale und füllten kleine Töpfe mit Erde. Mama erklärte, dass nasse Erde den Karton aufweichen könne. Deshalb sollten die Töpfe darin stehen und überschüssiges Wasser in der Schale bleiben. Tavi drückte vorsichtig drei Samen in die Erde.
Drei unsichtbare Pflanzen
Am nächsten Morgen sah alles aus wie am Abend: braune Erde in drei Töpfen. Tavi goss ein wenig Wasser und stellte die Kiste ins Licht. Am Nachmittag war noch nichts zu sehen. „Vielleicht ist die Erde zu klein“, meinte Tavi. Mama zeigte auf die Angaben der Samentüte. Einige Tage könnten vergehen. Die Pflanzen brauchten zunächst keine großen Blätter, sondern Wurzeln.
Tavi malte drei Kästchen auf Papier, für jeden Topf eins. Jeden Tag zeichnete er hinein, was er sah. Zweimal nur Erde. Einmal einen feinen Riss. Dann drückte sich aus dem ersten Topf eine helle Spitze. Tavi rief Mama. Die Spitze war so klein, dass sie sich beide ganz nah beugen mussten. Der Balkon fühlte sich plötzlich größer an.
Zu viel Hilfe
Am vierten Tag stand ein grüner Keimling im ersten Topf. Tavi wollte ihm beim Wachsen helfen und goss eine ganze Kanne Wasser hinein. Die Erde wurde sehr nass. Mama stellte den Topf in die Spüle, damit das Wasser ablaufen konnte. „Pflanzen brauchen Wasser“, sagte sie, „aber nicht immer gleich viel.“ Tavi erschrak. Hatte er den Keimling verdorben?
Sie warteten und schauten am nächsten Tag nach. Das kleine Blatt stand noch. Tavi berührte die Erde mit einem Finger. Sie war feucht. Heute brauchte der Topf kein neues Wasser. Für den zweiten Topf blieb die Oberfläche trocken; er bekam einen kleinen Schluck. Tavi merkte, dass die drei Töpfe nicht alle dasselbe wollten. Er ergänzte seine Zeichnung um winzige Tropfen.
Ein Garten zum Beobachten
Nach zwei Wochen hatten die Keimlinge neue Blätter. Tante Esra kam zu Besuch und beugte sich über den Schuhkarton. „Dein Garten hat begonnen“, sagte sie. Tavi zeigte ihr die Kästchen mit den Zeichnungen. Auf einem Blatt waren nur Erde und ein Fragezeichen zu sehen. „Das war der Tag, als ich dachte, es passiert nichts“, erklärte er.
Tante Esra brachte keine große Pflanze mit. Sie brachte einen vierten kleinen Topf. „Für später, wenn du Platz dafür findest“, sagte sie. Tavi stellte ihn vorerst leer neben die anderen. Der Balkon blieb schmal. Trotzdem konnte er jeden Morgen etwas Neues entdecken: ein Blatt, einen Schatten oder Erde, die wieder trocken war. Für seinen Garten brauchte er keinen langen Weg. Nur einen genauen Blick.
