HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Nuri und das Papierboot mit Nachricht
Ein Boot im Hof
Nach dem Regen stand im Hof eine lange Pfütze. Nuri saß auf der trockenen Stufe vor dem Haus und ließ ein Blatt über das Wasser treiben. Da kam aus der anderen Ecke ein gefaltetes Papierboot. Es stieß leicht gegen den Bordstein und blieb liegen. Unter seiner Spitze steckte ein winziger zusammengefalteter Zettel.
Nuri zog das Boot mit einem Stock vorsichtig zu sich. Das Papier war nass, aber der Zettel im Inneren noch trocken. Darauf war ein kleiner Stern gemalt und darunter stand: „Für dich am Fenster.“ Welches Fenster war gemeint? Im Hof gab es zwölf. Nuri wollte den Zettel am liebsten behalten. Doch vielleicht wartete jemand darauf, dass das Boot ankam. Sie legte es auf die Stufe zum Trocknen.
Zwölf Fenster
Nuri fragte zuerst ihren Bruder. Er hatte kein Boot gebaut. Die Nachbarin aus dem Erdgeschoss schüttelte ebenfalls den Kopf. „Vielleicht kommt es von dort oben“, sagte sie und zeigte auf einen Balkon mit einer gelben Gießkanne. Nuri winkte hinauf. Niemand war zu sehen. Also malte sie selbst einen kleinen Suchzettel: ein Papierboot und ein Fragezeichen. Ihr Bruder half ihr, ihn an die Haustafel zu hängen.
Später kam ein Junge in gelbem Pullover in den Hof. Er betrachtete den Zettel lange. „Mein Boot hatte einen Stern“, sagte er. „Ich heiße Ivo. Ich wollte es meiner Schwester am Erdgeschossfenster schicken.“ Nur war der Wind schneller gewesen als sein Plan. Nuri zeigte ihm das Boot. Ivo strahlte, bis er den feuchten Rand sah.
Die Nachricht bleibt trocken
Gemeinsam glätteten sie die Seiten des Boots. Der Zettel war noch lesbar. Ivo erzählte, dass seine Schwester heute mit einem gebrochenen Bein zu Hause blieb. Sie konnte nicht in den Hof kommen und hatte am Morgen aus dem Fenster zugeschaut. „Ich wollte, dass etwas zu ihr hinfährt“, sagte er. Nuri schaute zum Erdgeschossfenster. Die Vorhänge waren offen.
Die beiden trugen das Boot nun den kurzen Hausflur entlang zur Wohnungstür. Ivo durfte klingeln. Seine Schwester öffnete nicht selbst; ihr Papa nahm die Nachricht entgegen. Nach einer Minute erschien sie am Fenster und hielt den Zettel hoch. Das Papierboot blieb auf ihrem Fensterbrett. „Der Stern ist angekommen!“, rief sie. Nuri winkte zurück.
Noch ein Boot
Am nächsten Tag war die Pfütze kleiner. Nuri und Ivo falteten zwei neue Boote aus festem Papier. Dieses Mal schrieben sie ihre Namen außen darauf, damit niemand raten musste. Ivos Schwester malte vom Fenster aus einen Mond auf einen Zettel. Ihr Papa brachte ihn nach unten, und Nuri legte ihn in ihr eigenes Boot.
Die Boote fuhren nur eine kurze Strecke, bevor sie an der Mauer anhielten. Das störte niemanden. Sie trugen sie zurück und ließen sie noch einmal starten. Als die Sonne die Pfütze trocknete, hoben sie die Boote auf. „Für den nächsten Regen?“, fragte Ivo. „Oder für den Teppich“, sagte Nuri. Auch dort konnten Nachrichten ankommen.
