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Geduld & Handwerk

Nele und die Schale aus Ton

Nele möchte in der Töpferwerkstatt eine Schale formen. Ein schiefer Rand führt sie zu einer Form, die genau zu ihrem Vorhaben passt.

  • ab 5 Jahren
  • 9 Minuten
  • Lesestufe 2
  • Geduld & Handwerk

Wie möchtet ihr lesen?

Kurze Abschnitte und eine gut lesbare Schrift helfen dir beim Selbstlesen.

Nele formt in einer warmen Töpferwerkstatt mit einer älteren Lehrerin eine kleine Tonschale.
Eine Geschichte zum Entdecken und gemeinsamen Erzählen.
Bereit?Vier kurze Kapitel und Fragen für danach.
Geschichte beginnen

HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT

Nele und die Schale aus Ton

Kapitel 1 von 4

Der runde Plan

Nele hatte vor der Töpferwerkstatt ein Bild gemalt. Darauf stand eine runde Schale mit einem ganz geraden Rand. Sie sollte auf Omas Fensterbrett liegen und die kleinen Steine sammeln, die Oma vom Spaziergang mitbrachte. In der Werkstatt roch es nach feuchtem Ton. Auf einem Regal standen Becher, Tiere und Teller. Frau Yilmaz, die Töpferin, gab Nele eine weiche Kugel Ton und ein Brett. „Die Hände dürfen heute neugierig sein“, sagte sie.

Nele drückte mit dem Daumen eine Mulde in die Kugel. Die Wände wurden höher, doch eine Seite geriet dicker als die andere. Sie drehte das Brett und versuchte, den Rand gerade zu streichen. Dabei sank eine Stelle ein. „Jetzt sieht es wie ein kaputter Becher aus“, murmelte sie. Frau Yilmaz nahm den Ton nicht aus ihren Händen. Sie bat Nele, die Schale erst einmal von allen Seiten anzusehen.

Kapitel 2 von 4

Ein Platz für kleine Dinge

Nele hielt das Brett auf Augenhöhe. Von links sah die Schale tatsächlich schief aus. Von vorn erinnerte der niedrige Rand an eine kleine Öffnung. „Dort kann Oma die Steine hineinrollen lassen“, sagte sie plötzlich. Frau Yilmaz lächelte. „Dann prüfen wir, ob sie auch drinbleiben.“ Sie legte drei trockene Tonkügelchen auf den Tisch. Nele schob eines durch die Öffnung. Es blieb in der Mulde liegen. Das zweite kullerte hinaus, weil der Boden ebenfalls schief war.

Gemeinsam drückten sie den Boden vorsichtig flach. Nele stellte die Schale wieder hin und ließ alle drei Kügelchen nacheinander hineinrollen. Diesmal lagen sie sicher. Der niedrige Rand hatte nun eine Aufgabe. Nele wollte ihn nicht mehr verstecken. Sie glättete die Stelle mit einem nassen Schwamm, ohne den Rest der Schale zu verändern. An der Außenseite zeichnete sie drei kleine Striche, einen für jeden Teststein.

Kapitel 3 von 4

Warten gehört dazu

„Kann ich sie Oma heute schon mitbringen?“, fragte Nele. Frau Yilmaz zeigte ihr die anderen Stücke auf dem Trocknungsbrett. Ton musste erst langsam trocknen und danach im Ofen gebrannt werden. Ein nasses Stück konnte sonst reißen. Nele fand das Warten schwer. Sie hatte Oma das Geschenk für den Abend versprochen. Frau Yilmaz schlug vor, ein Foto zu machen und die Schale nächste Woche abzuholen. Nele fotografierte auch die drei Tonkügelchen, damit Oma verstand, wie die Öffnung funktionierte.

Auf dem Heimweg hielt Nele das Foto fest in der Hand. Sie erklärte Oma jedes Stück des Weges: die Tonkugel, den schiefen Rand, das erste Kügelchen, das wieder herausgerollt war. Oma lachte. „Meine Steine machen dann denselben Weg“, sagte sie. Nele fragte, ob Oma bis nächste Woche ein paar besonders glatte sammeln könnte. Oma hatte schon zwei in ihrer Manteltasche. Jetzt wollten sie gemeinsam nach einem dritten suchen.

Kapitel 4 von 4

Die Schale auf dem Fensterbrett

Eine Woche später war die Schale trocken und fest. Frau Yilmaz hatte sie mit einer durchsichtigen Glasur gebrannt. Nele fuhr mit dem Finger über den Rand. Er war glatt geblieben. Noch immer war er an einer Stelle niedriger, und genau dort zeigte sie Oma, wie ein Stein hineingleiten konnte. Sie stellte die Schale auf das Fensterbrett, fern vom Rand, damit sie sicher stand.

Oma holte drei Kiesel aus ihrer Tasche. Ein grauer war rund, ein brauner hatte helle Punkte, und der kleinste glänzte beinahe schwarz. Nele ließ sie einzeln hineinrollen. Kein Stein fiel heraus. „Sie ist anders als auf deinem Bild“, sagte Oma. Nele nickte. „Auf dem Bild wusste ich noch nicht, was die Steine brauchen.“ Das gefiel Oma besonders. Als die Sonne auf den Ton fiel, sah Nele ihre Fingerabdrücke an der Seite. Sie ließ sie dort. Sie gehörten zu dieser Schale.

NACH DER GESCHICHTE

Was denkt ihr?

Es gibt keine falschen Antworten. Auch „Ich weiß es noch nicht“ ist völlig in Ordnung.

  1. Wofür wollte Nele die Schale machen?
  2. Wie wurde aus dem schiefen Rand eine gute Idee?
  3. Was hast du einmal anders gemacht als geplant?

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