HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Milo und der Zug ohne Gleise
Abfahrt im Gruppenraum
Milo stellte vier stabile Stühle hintereinander. „Das ist mein Zug nach Bergehausen“, sagte er. Er setzte sich vorn hin und hielt einen Pappkreis als Lenkrad. Jona stieg ein und wollte ans Meer. Ela wollte zu einem Zoo. Milo schüttelte den Kopf. Sein Zug fuhr nur nach Bergehausen. Die beiden anderen Kinder blieben vor den Stühlen stehen.
Die Betreuerin prüfte, dass die Stühle nicht wackelten und genug Platz zum Gehen blieb. Dann fragte sie: „Kann euer Zug unterwegs halten?“ Milo hatte seine Fahrt ganz fertig im Kopf. Wenn er nun ans Meer fuhr, würde Bergehausen verschwinden, dachte er. Er setzte den Pappkreis ab und sah die leeren Plätze hinter sich.
Fahrkarten mit Bildern
Jona malte eine Welle auf ein kleines Blatt. Ela zeichnete eine Pfote. Milo malte einen Berg. Sie legten die drei Bilder auf den Boden neben die Stühle. „Wir brauchen eine Reihenfolge“, sagte Jona. Milo wollte den Berg zuerst. Ela wollte den Zoo zuletzt, damit die Tiere schlafen konnten. Das passte. Zwischen Berg und Zoo legten sie die Welle.
Milo stellte keinen neuen Stuhl dazu; vier reichten. Ein weiteres Kind, Faris, kam herüber und fragte nach einem Platz. Milo zeigte auf den freien Stuhl. Faris wollte die Durchsage machen. Er sagte die Haltestellen nicht laut ins Ohr der anderen, sondern mit einer freundlichen Stimme. Der Zug konnte nun starten, obwohl keiner von ihnen genau wusste, wie ein echter Fahrplan aussieht.
Drei Landschaften
In Bergehausen machten sie die Augen zu und stellten sich kalten Wind vor. Am Meer wackelten die Stühle nicht; nur ihre Hände zeichneten Wellen in die Luft. Ela beschrieb im Zoo einen sehr langsamen Elefanten. Faris machte eine Pause zwischen den Haltestellen, damit alle mit ihrer Vorstellung nachkommen konnten. Milo merkte, dass Bergehausen nicht verschwunden war, nur weil andere Orte dazukamen.
Jona fragte, ob der Zug auch zu einem Ort ohne Namen fahren könne. Milo dachte an einen Garten voller riesiger Erdbeeren. Das war ein guter Zusatz für die Rückfahrt. Sie malten ein rotes Blatt als viertes Ziel. Weil die Stühle an ihrem sicheren Platz blieben, mussten sie nur die Bilder umlegen, um eine neue Strecke zu bekommen.
Endstation und neuer Anfang
Als die Spielzeit endete, stellten sie die Stühle zurück an den Tisch. Milo nahm die vier Haltestellenbilder mit zur Bilderwand. Faris fragte, ob er morgen wieder die Durchsage machen dürfe. Milo sagte ja, wenn die anderen auch wollten. Vielleicht hätte dann jemand ein ganz neues Reiseziel. Der Zug brauchte keine Gleise, aber Platz für Ideen.
Beim Abholen erzählte Milo, dass er heute am Berg, am Meer, im Zoo und im Erdbeergarten gewesen sei. Papa fragte, ob er nass geworden sei. Milo lachte. „Nur in meinem Kopf.“ Er zeigte auf die Zeichnungen. Die Welle lag zwischen Berg und Pfote. Morgen konnte sie an einer anderen Stelle liegen, und die Reise würde neu beginnen.
