HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Luma und das Fenster für alle
Das große Fenster
Im Nachbarschaftshaus sollten die Kinder das lange Fenster zum Hof bemalen. Luma brachte abwaschbare Farben mit. Zuerst malte sie oben eine große gelbe Sonne. Ihre Freundin Suri setzte einen Regenbogen daneben. Der kleine Milan, der im Rollstuhl saß, hielt seinen Pinsel bereit. Er erreichte aber nur einen freien Streifen ganz unten. Dort stand bereits ein Farbeimer.
„Wir stellen den Eimer weg“, sagte Luma. Milan malte eine blaue Linie auf die Scheibe. Sie wurde von draußen beinahe vom Fensterrahmen verdeckt. „Man sieht sie kaum“, sagte er. Luma trat in den Hof und prüfte es. Er hatte recht. Die Sonne und der Regenbogen leuchteten hoch oben, Milans Welle versteckte sich im Schatten.
Eine neue Aufteilung
Luma ging zurück und erzählte den anderen, was sie gesehen hatte. Suri wollte die Sonne nicht wegwischen. Milan wollte seine Welle aber nicht nur als Rand haben. Gemeinsam überlegten sie, wo ein zusammenhängendes Bild für alle gut sichtbar wäre. Die mittlere Scheibe war noch leer. Luma zeichnete dort mit einem trockenen Finger eine große waagerechte Linie vor.
„Wir können den Himmel oben lassen und unten ein Meer machen“, schlug Milan vor. Seine Welle würde mitten durchs Fenster laufen. Die anderen malten Fische, Boote und Wolken dazu. Luma setzte sich auf einen niedrigen Hocker und malte ebenfalls im mittleren Bereich. Von dort sah sie, wie viel Platz Milan tatsächlich hatte. Die Sonne blieb oben, aber nun gehörte sie zu einem größeren Bild.
Blick von drinnen und draußen
Als das Fenster fertig schien, gingen alle in den Hof. Von draußen sahen die Farben kräftig aus. Drinnen bemerkten sie, dass einige breite Farbflächen den Blick auf den Garten verdeckten. Im Nachbarschaftshaus saßen aber oft Menschen am Fenster und schauten hinaus. „Wir brauchen freie Stellen“, sagte Luma.
Mit feuchten Tüchern nahmen sie kleine Stücke Farbe wieder ab. Zwischen zwei Fischen entstand ein durchsichtiges Guckloch. Ein weiteres ließen sie neben der Sonne frei. Milan rollte innen ans Fenster und konnte durch eines der Löcher den Baum sehen. Suri stellte sich daneben und sah den Hof aus ihrer Höhe. Nicht alle Gucklöcher mussten gleich hoch sein. Die Kinder machten so viele, bis jede Person einen guten Blick gefunden hatte.
Viele Bilder in einem
Am Abend kamen Eltern und Nachbarn zum offenen Haus. Einige betrachteten das Fenster vom Hof, andere saßen drinnen. Eine ältere Frau zeigte auf die Welle. „Die führt genau zu meinem Lieblingsbaum“, sagte sie und schaute durch das freie Stück Glas. Milan erzählte, wie sie die Welle in die Mitte verlegt hatten.
Luma sah noch einmal zur Sonne hoch. Sie mochte sie weiterhin. Aber am liebsten mochte sie nun die vielen Stellen darunter: Milans Welle, Suris Fisch, ihr eigenes kleines Boot und die freien Felder dazwischen. Als die Farben eine Woche später abgewaschen wurden, machten sie ein Foto vom Fenster. Danach verabredeten sie ein neues Bild. Dieses Mal wollten sie zuerst gemeinsam entscheiden, wo Platz für alle war.
