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Jonas und das Konzert vor dem Fenster
Ein Ruf vor dem Frühstück
Jonas wachte auf, weil draußen ein Vogel rief. Kurz darauf antwortete ein anderer. Jonas öffnete das Fenster einen Spalt und hörte zu. Ein Ruf klang kurz und hell, ein zweiter langsamer und rauer. Er konnte die Vögel nicht sehen. Hinter den Blättern bewegte sich etwas, aber er wusste nicht, welcher Zweig zum ersten Sänger gehörte.
Papa brachte ihm ein Glas Wasser. Jonas fragte, ob die Vögel miteinander sprächen. Papa sagte, dass Vögel aus verschiedenen Gründen rufen können und er aus diesem Fenster nicht sicher sagen könne, was die beiden gerade meinten. „Wir können aber ihre Stimmen unterscheiden“, schlug er vor. Jonas holte ein Blatt Papier.
Striche statt Namen
Für den hellen Ruf malte Jonas drei kurze Striche. Für den raueren einen langen Bogen. Dann hörte er wieder hin. Der helle Ruf kam dreimal; der andere nur einmal. Jonas musste nicht wissen, wie die Vögel hießen, um genau aufzupassen. Papa setzte sich neben ihn und zeichnete das Fenster als Rahmen um die Striche.
Plötzlich klopfte eine Tür im Hof. Beide Vogelstimmen verstummten. Jonas wollte hinauslaufen und nachsehen. Papa bat ihn zu warten. Nach kurzer Zeit erklang der helle Ruf erneut. Aus einer ganz anderen Richtung antwortete ein dritter Vogel mit zwei schnellen Tönen. Jonas fügte zwei Punkte auf seinem Blatt hinzu.
Der Chor verändert sich
Beim Frühstück nahm Jonas sein Blatt mit. Er summte die drei Muster ganz leise, damit er sie nicht vergaß. Später schaute er mit Papa vom Fenster aus in den Hof. Auf der Dachrinne saß ein kleiner brauner Vogel. Jonas hörte einen kurzen hellen Ruf, aber der Vogel bewegte gerade den Schnabel nicht. „Vielleicht war es ein anderer“, sagte er.
Sie beobachteten, bis der braune Vogel fortflog. Der dritte Ruf kam danach nicht wieder. Der Hof war trotzdem nicht still: Blätter rauschten, ein Fahrrad rollte vorbei, und irgendwo fiel ein Tropfen. Jonas ließ für den fehlenden Vogel auf seinem Blatt eine freie Stelle. Morgen konnte er weiterhören.
Eine neue Seite
Am nächsten Morgen öffnete Jonas das Fenster wieder einen Spalt. Der helle Ruf war sofort da. Der lange Bogen fehlte. Dafür hörte er vier kurze Töne nacheinander. Er nahm eine neue Seite und zeichnete vier kleine Striche. Das Konzert war anders als gestern. Niemand hatte es für ihn geplant, und gerade darum gefiel es ihm.
Papa fragte, ob Jonas nun die Namen der Vögel nachschlagen wolle. „Vielleicht später“, sagte Jonas. Erst wollte er hören, welche Stimme wann auftauchte. Er legte beide Blätter nebeneinander. Sie sahen aus wie zwei verschiedene Lieder, die der Hof ihm geschenkt hatte. Jonas schloss das Fenster, weil das Frühstück wartete, und summte keinen Vogel absichtlich nach.
