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Enno und der Knoten am Band
Bänder für das Fest
Im Nachbarschaftshaus sollten am Samstag bunte Bänder über dem Hof hängen. Enno suchte ein rotes und ein gelbes aus einer Kiste. Er wollte beide an einen Holzring knüpfen, damit sie im Wind flatterten. Seine Freundin Lila arbeitete am anderen Ende des Tisches mit grünen Bändern. „Meiner sieht aus wie eine Schleife“, sagte sie. Enno zog an seinen beiden Enden. Der Knoten rutschte vom Ring und landete auf dem Tisch. Er versuchte es noch einmal, diesmal ganz fest. Wieder löste er sich.
Enno sah auf die vielen fertigen Bänder an der Wand. Er wollte nicht der Einzige sein, dessen Stück herunterfiel. Frau Rahman, die das Fest vorbereitete, brachte ihm ein Reststück zum Üben. „Wir hängen nur auf, was sicher hält“, sagte sie. „Du hast Zeit.“ Enno strich das rote Band glatt. Vielleicht musste er erst verstehen, wohin die beiden Enden liefen, bevor er sie festzog.
Zwei Enden, ein Weg
Lila setzte sich neben ihn. Sie lösten ihren eigenen Knoten vorsichtig wieder, damit Enno sehen konnte, wie er gemacht war. Zuerst legte Lila das Band doppelt. Dann schob sie die gefaltete Mitte durch den Ring und zog beide losen Enden hindurch. Enno hielt die Schritte mit den Fingern nach. Beim ersten Versuch steckte er nur das rote Ende durch die Schlaufe. Das gelbe blieb außen hängen. „Darum rutscht es“, sagte er selbst, als er daran zog.
Diesmal führte er beide Enden gemeinsam durch. Er zog langsam, bis der Knoten dicht am Ring lag. Lila hielt den Ring fest. Danach tauschten sie die Aufgaben: Enno hielt, Lila zog. So merkten beide, wie unterschiedlich ein lockerer und ein fester Knoten sich anfühlte. Frau Rahman prüfte das Band mit einem vorsichtigen Zug. Es hielt. Enno wollte es nicht gleich an die Wand hängen. Er wollte den nächsten Knoten ohne Lilas Hilfe noch einmal versuchen.
Eine kleine Anleitung
Enno legte ein blaues Band doppelt und schob die Mitte durch einen zweiten Ring. An der Stelle mit den beiden Enden hielt er kurz inne. Lila sagte nichts. Sie zeigte nur mit zwei Fingern auf seine Hand. Enno führte beide Enden durch die Schlaufe und zog sie fest. Es klappte. Danach malte er drei Bilder auf eine Karte: Band falten, Schlaufe durch den Ring, beide Enden durch die Schlaufe. Worte brauchte er dafür kaum.
Ein jüngeres Kind kam an den Tisch und fragte, ob es auch ein Band knüpfen dürfe. Enno legte seine Bildkarte zwischen sie. Er machte den Knoten nicht für das Kind. Stattdessen hielt er den Ring fest und zeigte den ersten Schritt. Das Kind wählte ein lila Band. Sein erster Versuch rutschte ebenfalls auf. „Bei mir war es genauso“, sagte Enno. Gemeinsam sahen sie nach, welches Ende noch fehlte. Dann hielt auch dieser Knoten.
Über dem Hof
Am Samstag hingen viele Stoffbänder zwischen den Bäumen. Frau Rahman hatte sie selbst sicher befestigt. Enno erkannte das rote und das gelbe sofort. Sie flatterten über einem Tisch mit Apfelsaft. Das blaue Band daneben war von seinem zweiten Versuch. Lila zeigte auf das lila Band des jüngeren Kindes. Es hielt genauso gut wie die anderen. Als ein Windstoß kam, bewegten sich alle Farben in verschiedene Richtungen.
Enno erzählte seinem Vater nicht zuerst vom Fest, sondern von den zwei Enden, die beide durch dieselbe Schlaufe mussten. Vater bat ihn, die Bildkarte zu zeigen. Sie lag noch in Ennos Tasche, an einer Ecke etwas zerknittert. „Die kann ich beim nächsten Mal wieder benutzen“, sagte Enno. Dann tranken sie Apfelsaft. Enno schaute noch einmal nach oben. Der Knoten war klein und aus der Ferne kaum zu sehen. Gerade deshalb war er wichtig.
