HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Dilan und die fehlende Schachfigur
Eine Lücke in der Reihe
Dilan stellte mit Opa die Schachfiguren auf. Zwei Reihen Weiß, zwei Reihen Schwarz. Bei Schwarz blieb am Rand ein Feld leer. Ein Turm fehlte. Sie schauten unter den Tisch, in die Schachtel und hinter das Sofa. Dort fanden sie nur einen Stift und einen Filzball. „Ohne Turm ist es nicht dasselbe“, sagte Dilan. Sie hatte das Spiel erst vor Kurzem gelernt und wollte die Regeln nicht durcheinanderbringen.
Opa schlug vor, ein anderes Spiel zu wählen. Dilan wollte aber gerade heute Schach spielen. Sie sah den kleinen Holzklotz, der als Gewicht für einen Zettel auf dem Tisch lag. Er war ungefähr so groß wie ein Turm. „Könnte der hier den Turm vertreten?“, fragte sie. Opa sagte, dass sie das absprechen müssten, damit beide dieselbe Figur darin erkennen.
Ein Zeichen für beide
Dilan band ein schmales blaues Band um den Klotz. Sie stellte ihn auf das leere Feld. Opa wiederholte: „Der Klotz zieht wie ein Turm, geradeaus über freie Felder.“ Dilan zeigte den Weg mit dem Finger. Dann fragten sie sich gegenseitig, ob sie die Figur auch im Spiel noch gut erkennen würden. Beide nickten. Erst jetzt begannen sie.
Nach ein paar Zügen wollte Dilan den Klotz diagonal ziehen. Opa hielt nicht einfach ihre Hand fest. Er fragte: „Welche Rolle hat unser Band?“ Dilan schaute hin. „Turm“, sagte sie und stellte ihn zurück. Sie wählte einen geraden Weg. Die Ersatzfigur hatte die Regel nicht verändert, nur ihren Platz ausgefüllt.
Der Turm taucht auf
Mitten im Spiel kam Dilans kleiner Bruder ins Zimmer. In seiner Hosentasche steckte der echte schwarze Turm. Er hatte ihn gestern als Dach für ein Bauhaus benutzt und vergessen zurückzulegen. Dilan freute sich, wollte aber nicht sofort den Klotz vom Brett nehmen. Opa fragte, was sie für diese Partie vereinbart hatten. „Der Klotz ist unser Turm“, sagte Dilan.
Sie legten die echte Figur neben das Brett und spielten die Partie mit dem blauen Band zu Ende. Der Bruder sah zu und fragte, warum der Holzklotz mitspielen durfte. Dilan erklärte die gemeinsame Abmachung. „Und nächstes Mal kommt der echte Turm wieder“, sagte sie. Der Bruder versprach, ihn in der Schachtel zu lassen.
Die Schachtel hat ein Fach
Am Ende gewann niemand schnell. Opa und Dilan schauten noch einmal auf das Brett und fanden drei Züge, die ihnen gefallen hatten. Dann räumten sie alle Figuren ein. Dilan zählte zweimal nach. Der schwarze Turm bekam seinen Platz neben dem anderen Turm. Der Holzklotz kam zurück auf den Zettelstapel.
Dilan schrieb auf einen kleinen Karton: Ersatz nur nach gemeinsamer Absprache. Den Karton legte sie in die Schachschachtel. Nicht, weil sie jedes Mal eine Figur verlieren wollte. Sondern weil sie gemerkt hatte, dass ein Spiel weitergehen kann, wenn alle wissen, welche Regel gerade gilt. Ihr Bruder durfte den ersten Zug der nächsten Partie beobachten.
