HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Cleo und die Wippe, die warten musste
Oben und unten
Cleo setzte sich auf die eine Seite der Wippe. Ihr Freund Olek saß gegenüber. Cleo war sofort oben, Olek unten. Sie stemmte die Füße auf und versuchte, ihre Seite hinabzudrücken. Nichts geschah. Olek lachte erst, dann wurde er still. „Ich sitze fest“, sagte er. Cleo wollte die Wippe trotzdem in Bewegung bringen, weil sie extra darauf gewartet hatten.
Ihre Begleitperson stand in Sichtweite und erinnerte sie daran, beide Griffe festzuhalten und nicht abrupt abzuspringen. Cleo fragte Olek, ob er noch spielen wolle. „Ja, aber nicht so“, antwortete er. Das war ein Anfang. Sie stiegen nacheinander vorsichtig ab und betrachteten die Wippe vom Boden aus.
Ein Platz weiter vorn
Die Wippe hatte auf jeder Seite zwei Sitzmöglichkeiten: einen äußeren und einen näher an der Mitte. Olek saß zuerst weit außen. Cleo schlug vor, dass er den inneren Platz probieren könnte. Sie fragten die Begleitperson, ob das für die Wippe vorgesehen war. Sie zeigte auf die sicheren Sitze. Olek wechselte. Nun bewegte sich die Wippe etwas, aber Cleo kam plötzlich sehr schnell nach unten.
„Stopp, bitte“, rief Cleo. Olek hielt die Füße auf dem Boden und wartete. Cleo merkte, dass die Bewegung zwar möglich, aber für sie unangenehm war. Sie mussten nicht weitermachen, nur weil die Wippe endlich schwang. Sie besprachen, wie langsam sie starten wollten. Dann setzte Olek sich zwischen zwei Markierungen an die passende Stelle.
Ein gemeinsamer Rhythmus
Diesmal drückte niemand kräftig. Olek gab nur einen kleinen Schubs mit den Füßen. Cleo kam ein Stück hinab und dann wieder hinauf. Sie zählten leise bis drei. Nach jeder Bewegung sah Cleo zu Olek. Er nickte. Als Cleo höher schwingen wollte, fragte sie zuerst. Olek wollte lieber bei der kleinen Bewegung bleiben. Sie einigten sich auf drei weitere Runden.
Cleo hatte anfangs gedacht, die Wippe funktioniere nur, wenn einer stark genug drückte. Jetzt merkte sie, dass Sitzplätze, Füße und Absprachen zusammengehörten. Auch die Wippe konnte nicht wissen, wie sich jemand fühlte. Das mussten sie einander sagen. Nach drei Runden hielten sie an und stiegen wieder nacheinander ab.
Die nächste Runde
Ein anderes Kind wartete schon. Cleo fragte, ob es mit Olek wippen wolle. Olek wollte erst trinken und setzte sich auf die Bank. Cleo überließ den Platz dem wartenden Kind. Sie sah eine Weile zu, wie zwei andere ein ganz anderes Tempo fanden. Niemand spielte falsch. Wichtig war, dass beide sicher saßen und sich wohlfühlten.
Später erzählte Cleo beim Heimgehen, wie die Wippe zuerst festgesteckt hatte. Die Begleitperson fragte, was geholfen habe. „Wir haben nicht nur Plätze gewechselt“, sagte Cleo. „Wir haben uns auch gefragt.“ Olek ergänzte: „Und bei Stopp angehalten.“ Die beiden liefen zur nächsten Ecke, langsam genug, um noch ein Lied über oben und unten zu erfinden.
