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Forschen & Staunen

Cem und die Wolke im Glas

An einer kühlen Fensterscheibe entdeckt Cem feine Tropfen. Mit Papa beobachtet er, wie warmer Wasserdampf auf kühlem Glas sichtbar wird.

  • ab 6 Jahren
  • 9 Minuten
  • Lesestufe 2
  • Forschen & Staunen

Wie möchtet ihr lesen?

Kurze Abschnitte und eine gut lesbare Schrift helfen dir beim Selbstlesen.

Cem beobachtet mit Papa ein durchsichtiges Glas mit feinem Dunst am sonnigen Küchentisch.
Eine Geschichte zum Entdecken und gemeinsamen Erzählen.
Bereit?Vier kurze Kapitel und Fragen für danach.
Geschichte beginnen

HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT

Cem und die Wolke im Glas

Kapitel 1 von 4

Das verschwommene Fenster

Am Morgen war Cems Küchenfenster unten beschlagen. Er konnte den Apfelbaum im Hof nur wie durch einen dünnen Schleier sehen. Mit einem Finger malte er einen kleinen Kreis frei. Draußen war es kühl, drinnen duftete warmer Tee. „Warum ist das Fenster nass?“, fragte er Papa. Papa zeigte auf die winzigen Tropfen an der Innenseite. Das Wasser war nicht durch die geschlossene Scheibe gekommen. Es war schon als unsichtbarer Wasserdampf in der Luft gewesen.

Cem fand „unsichtbar“ eine schwierige Antwort. Er wollte etwas sehen, das man beobachten konnte. Papa stellte ein durchsichtiges, kaltes Glas aus dem Schrank auf den Küchentisch. Gemeinsam atmeten sie nicht hinein, sondern hielten es zunächst still ins Morgenlicht. Erst war nichts zu erkennen. Cem schrieb auf ein Blatt: Glas kühl, Luft warm, noch keine Tropfen. Er wollte selbst merken, wann etwas anders wurde.

Kapitel 2 von 4

Ein Versuch ohne Eile

Papa goss etwas warmes Wasser in eine breite Schüssel und stellte sie sicher auf die Tischmitte. Cem hielt Abstand und sah zu, wie über der Schüssel leichter Dunst aufstieg. Papa hielt das kühle Glas darüber. Nach einer Weile erschienen an seiner Außenseite feine Punkte. Cem beugte sich näher. „Wie winzige Sterne“, sagte er. Mit einem sauberen Finger berührte er einen Punkt; er fühlte sich nass an. Sie wiederholten den Versuch und schauten besonders genau auf den Zeitpunkt, an dem die ersten Tropfen sichtbar wurden.

Papa erklärte, dass warmer Wasserdampf an kühleren Flächen zu kleinen Tropfen werden kann. „Dann ist die Wolke im Glas?“, fragte Cem. „Der Dunst sieht für uns so aus“, antwortete Papa, „aber wir bauen damit keine richtige Himmelswolke.“ Cem fand den Unterschied spannend. Am Fenster war etwas Ähnliches geschehen: Warme Luft im Zimmer traf auf die kühlere Scheibe. Plötzlich verstand er, warum sein Finger dort einen klaren Kreis malen konnte.

Kapitel 3 von 4

Drei Beobachtungen

Cem holte sein Blatt zurück. Unter die erste Zeile schrieb er: viele kleine Tropfen. Dann zeichnete er die Schüssel und das Glas. Als Papa das Glas vom warmen Dunst entfernte, beobachteten sie weiter. Einige Tropfen flossen zusammen und wurden groß genug, um hinunterzurollen. Cem setzte drei Punkte auf sein Blatt und verband zwei davon mit einem Pfeil. Das war keine Zauberei, sondern etwas, das sich langsam veränderte.

Später legten sie die Schüssel weg und trockneten den Tisch. Cem ging zum Fenster zurück. Sein Kreis war noch zu sehen, doch an der übrigen Scheibe sammelten sich neue Tropfen. Er malte nicht alles frei. Er wollte vergleichen, wie lange der Kreis trocken blieb. Als die Sonne höher stieg und das Glas wärmer wurde, wurde der Schleier dünner. Cem schrieb auch das auf, obwohl er noch nicht jede Einzelheit erklären konnte.

Kapitel 4 von 4

Das Fenster wird klar

Beim Mittagessen konnte Cem den Apfelbaum wieder scharf sehen. Ein Vogel hüpfte auf einem Ast. Papa fragte, was aus Cems Frage geworden sei. „Das Wasser war schon da, nur anders“, sagte Cem. „Am kalten Glas konnte ich es sehen.“ Papa nickte. Cem erzählte ihm, welche Beobachtung ihm am meisten geholfen hatte: nicht der erste Tropfen, sondern der zweite, der mit dem ersten zusammenfloss. Da hatte er verstanden, dass auch winzige Dinge sich bewegen können.

Cem legte sein Beobachtungsblatt auf die Fensterbank. Morgen würde das Fenster vielleicht wieder beschlagen, vielleicht auch nicht. Er wollte nicht behaupten, es immer schon zu wissen. Lieber würde er hinsehen und ein neues Blatt nehmen. Hinter dem Glas bewegten sich die Zweige des Apfelbaums im Wind. Auf der Scheibe war nur noch ein letzter Tropfen. Cem ließ ihn laufen, bis er am unteren Rand verschwand.

NACH DER GESCHICHTE

Was denkt ihr?

Es gibt keine falschen Antworten. Auch „Ich weiß es noch nicht“ ist völlig in Ordnung.

  1. Woher kamen die Tropfen am Glas?
  2. Was änderte sich, als das Glas kühler wurde?
  3. Welche kleinen Veränderungen hast du heute bemerkt?

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