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Ada und der Garten nach Sonnenuntergang
Besuch am Abend
Ada durfte an diesem Abend etwas länger wach bleiben. Opa hatte ihr einen Nachtfalter versprochen, den er gestern an den Blumen gesehen hatte. Sie nahm ihre helle Taschenlampe mit in den Garten. Zwischen den Beeten fand sie zuerst nur eine Amsel, die im Baum saß, und ein Blatt, das im Wind zitterte. Ada leuchtete unter jedes Blatt. Kein Falter zeigte sich.
Opa kam mit zwei Decken. „Wir setzen uns erst einmal hin“, sagte er. Ada wollte lieber suchen. Doch als sie die Taschenlampe auf den Weg richtete, sah sie, wie klein und still die Abendblumen waren. Eine war weiß und öffnete gerade ihre Blütenblätter. Ada setzte sich neben Opa und ließ die Lampe aus.
Augen für die Dämmerung
Zuerst sah Ada fast nichts. Dann erkannte sie den hellen Rand der Bank, einen Ast und die weißen Blüten. Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die Dämmerung. Opa zeigte auf die Stelle über dem Beet. Dort bewegte sich etwas Leichtes. Ada wollte sofort Licht machen. Opa bat sie, noch einen Moment so hinzusehen.
Ein Nachtfalter schwebte von Blüte zu Blüte. Seine Flügel sahen im schwachen Licht aus wie zwei feine Blätter. Ada hielt ganz still. Sie wusste nicht, ob es derselbe Falter von gestern war. Das konnte Opa auch nicht sagen. Aber sie konnten beobachten, wo er heute landete: zuerst links, dann an der hohen weißen Blume.
Eine gute Frage
„Warum kommt er gerade hierher?“, flüsterte Ada. Opa erklärte, dass manche Blumen am Abend duften und Nachtfalter anziehen. Ada roch vorsichtig an einer Blüte. Sie duftete süß. Sie wollte ein Glas über den Falter stülpen, damit sie ihn genauer sehen konnte. Dann stellte sie sich vor, wie wenig Platz er darin hätte. Das Glas blieb im Haus.
Auf dem Nachbargrundstück ging eine helle Gartenleuchte an. Der Falter verschwand für eine Weile hinter den Blättern. Ada war enttäuscht. Sie fragte Opa, ob sie im eigenen Garten die kleine Leuchte am Weg ausschalten könnten. Opa prüfte, dass der Weg frei war, und schaltete sie aus. Dann warteten sie wieder.
Ein Garten mit Pause
Der Falter kam noch einmal zurück. Diesmal blieb er länger an der weißen Blüte. Ada wollte sich jedes Muster merken, wusste aber, dass sie ihn nicht festhalten konnte. Stattdessen zeichnete sie später im Zimmer die Blume und einen Falter mit hellen Flügelrändern. Unter das Bild schrieb Opa: gesehen, nicht gefangen.
Vor dem Schlafengehen schaute Ada durch das Fenster in den Garten. Er sah dunkel aus, aber nicht leer. Vielleicht flogen dort weitere Falter, die sie heute nicht entdeckt hatte. Sie legte die Taschenlampe auf den Tisch für einen anderen Abend. Beim nächsten Beobachten wollte sie wieder mit Zeit und leisen Augen anfangen.
